Leitartikel
Liebe Mitglieder,
die letztes Jahr im Rahmen der Erstellung des Forstwirtschaftsplans
der Forstbehörde (ONF) für die Staatsforste Haute Chevauchée
und Lachalade vereinbarten Durchführungsbestimmungen bei
der Waldbewirtschaftung wurden bisher respektiert. Mit den Agenten
des ONF besteht guter Kontakt. Die Art der Kenntlichmachung von
erhaltenswerten Überresten ist zur Zeit mit den "Les
Amis des Vauquois" und dem ONF in Diskussion.
Die Recherchen in den Argonnen fanden in der Hauptsache
im Bereich zwischen La Fille Morte und der Bolante statt. Im Herbst
konnte der L-Tunnel oder besser gesagt dessen noch zugängliche
Teile entdeckt und erforscht werden.
Die Säuberungsarbeiten im Bataillons-Tunnel
und das Setzen der Betonstollenrahmen ist abgeschlossen. Das Einsetzen
der Tür ist im Frühjahr 2008 geplant. Nachdem die Voraussetzung
im Bataillons-Tunnel für ein sicheres Arbeiten im Schleppschacht
"Ebert" Anfang Oktober 2007 geschaffen war, konnte am
ersten Wochenende im November ein Pumpversuch erfolgen. Anhand
des Original-Stollenplans war mit etwa 200 m³ Wasser zu rechnen.
Um das Wasser aus einer söhligen Tiefe von 23 m überhaupt
hoch pumpen zu können, hatte der Verein eine Tiefbrunnenpumpe
beschafft.
Die Herausforderung war also gewaltig – und
angesichts der zu erwartenden Problematik rechnete wohl keiner
damit, dass diese auf Anhieb bewältigt werden konnte. Schon
allein die Vorbereitungsarbeiten gestalteten sich sehr umfangreich
und nahmen die Mannschaft um Michael Prisille und Ollie Scheer
ziemlich in Anspruch. Die Wartung des D.E.A. - Stromaggregates
sowie das Organisieren von zusätzlichen Pumpen und Stromaggregaten
übernahm Helmut Steck.
Vor Ort zeigte sich dann, dass unsere Bedenken gerechtfertigt
waren. Keine der vorhandenen Pumpen schaffte es alleine, Wasser
nach oben zu fördern. Erst die Einrichtung von Zwischenpumpstationen,
zeitraubendes Herausfinden des Ein-/Ausschalt-Taktes der einzelnen
Pumpen in den Stationen sowie die Lösung der optimalen Schlauchführung
mittels der Jahn’schen Rampe brachten den Erfolg.
89 Jahre nachdem unsere Vorfahren die Wasserhaltung im "Ebert"
infolge des amerikanischen Angriffs am 26. September 1918 einstellten,
betraten wieder Menschen den unteren Querschlag im mittleren Bereich
der deutschen Minenkriegsanlage Höhe 285 – La Fille
Morte. Was für ein erhebendes Gefühl das war, ist kaum
zu beschreiben.
Während Michael Prisille sich mit der Vermessung des nach
Osten führenden Teils beschäftigte (er hatte schon ein
Bad in einem Sickerschacht hinter sich), drangen Helmut Steck
und ich nach Westen vor. Kreuz und quer gegen die Wände gefallene
Stollenrahmen versperrten den Weg. Darunter oder darüber
hinweg arbeiteten wir uns langsam vorwärts. Wie weit würden
wir wohl kommen, bis ein Einsturz oder Wasser ein weiteres Vordringen
unmöglich machen? Erreichen wir Schleppschacht "Bammel"?
Den Bereich von "Walroß" bis "Brummer"
haben wir über den oberen und mittlern Querschlag bereits
erforscht. Erreichen wir "Cassius", von dem aus der
untere Querschlag in einer Tiefe von 40 m unter stetigem Anstieg
auf 30 m bis zu "Veit" führt? Dieser Teil ist mit
Sicherheit abgesoffen. Gelangen wir über Cito oder Castor
in den oberen Querschlag? Die Antwort und weitere Details sind
im Kapitel "Forschungen und Arbeitseinsätze" zu
finden.
Ich möchte hier an dieser Stelle im Namen des
Vorstands allen Beteiligten für ihren Einsatz und Durchhaltewillen
danken. Dass sich Einzelne teilweise bis an die Leistungsgrenze
anstrengten, ist aus den Berichten kaum ersichtlich.
Erfreulich war die internationale Zusammensetzung
der Teilnehmer: Sie kamen aus Frankreich, Belgien, England, Kanada,
Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Verständigung
bestand also aus einem anglo-franko-deutschem Kauderwelsch. Aber
Jeder hat Jeden verstanden (auch die Nordrhein-Westfalen die Schwaben
und die Bayern). Erfreulich war auch, wieder einmal eine Frau,
nämlich Maria Smetana, in einem Tiefstollen zu sehen, noch
dazu bei den schwierigen Vermessungsarbeiten im Westteil. Dies
erinnert mich an alte Zeiten, die über 10 Jahre zurückliegen.
Erfreulich zum Dritten war, mal wieder einige Senioren aktiv vor
Ort zu sehen: Tim Tawney aus England, Jacques Franssen aus Belgien
und Roland Nampon aus Frankreich.
Nun zu den Aktivitäten in den West-Argonnen. Hier zeichneten
sich wieder die Schüler des Europagymnasiums „Richard
von Weizsäcker“ aus Thale aus, die im Rahmen ihrer
Projektarbeit „Argonnerwald“ im Moreau-Lager an der
Wiederherstellung des oberen Lagerweges arbeiteten. Mit einer
Kranzniederlegung im deutschen Soldatenfriedhof in Servon und
im französischen Soldatenfriedhof "Grueriewald"
bei Vienne-le-Château gedachten die Schüler auch den
Gefallenen aller Nationen.
Wir weisen erneut unsere Mitglieder darauf hin, zur Vermeidung
von Problemen mit der Waldbewirtschaftung private Besuche von
Schlachtfeldern außerhalb der touristischen Routen in Staatsforsten
des Departements Meuse dem ONF mitzuteilen. Zur Anmeldung dieser
Besuche haben wir ein Formular entwickelt, das von unserer Homepage
herunter geladen und nach Ausfüllung per e-mail, Fax oder
Post an die im Formular angegebene Adresse geschickt werden kann.
Ein Exemplar dieses Formulars ist auch diesem Argonnenboten beigefügt.
Wir weisen ebenfalls noch einmal darauf hin, dass das Eindringen
in unterirdische Anlagen sowie die Suche und Mitnahme von „Schlachtfeldsouvenirs“
wie Munition, Flaschen, Ausrüstungsgegenstände etc.
verboten ist und teure Bußgelder nach sich ziehen kann.
Die Polizei ist von der Präfektur wegen verschiedener Vorfälle
mit Fundmunition angewiesen worden, verstärkt zu kontrollieren.
Ich hoffe, dass die Artikel im Argonnenboten zur Teilnahme an
den Vereinsaktivitäten inspirieren. Sportlich oder unsportlich,
Forschungslust oder Freude an der Archäologiearbeit, Interesse
an der Militärgeschichte oder internationaler kultureller
Gedankenaustausch – für Jeden ist etwas dabei.
Viel Vergnügen beim Lesen.
Adolf Buchner
1. Vorsitzender