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Deutsches Erinnerungskomitee Argonnerwald 1914-1918 e.V.

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31.10.2010
 
Artikel
 
Kapelle von Falaise
Rettungstrupp der Infanterie

 

   

Liebe Mitglieder,
 
wiederum liegt ein arbeitsreiches Jahr hinter uns. Der extremste Einsatz war wohl die Pumpaktion im Zeitraum 28. Oktober bis 1. November. Ursprünglich wollten wir dort weitermachen, wo wir letztes Jahr wegen des hohen Wasserstandes im unteren Querschlag die Recherchen einstellen mussten, kurz vor Schleppschacht Veit.
Es war angedacht, nach erneutem Auspumpen des unteren Querschlags über Schleppschacht Vater von der tiefsten Stelle vor Veit mit zwei kleinen Pumpen quer rüber zum unteren Stollenvorhaus von Schleppschacht Vater und von dort aus mit der großen Pumpe nach oben zu pumpen.
Aber durch dauernde Regenfälle verzögerte Waldarbeiten in der Parzelle, in der Vater liegt, verhinderten die Erteilung einer Zutrittsgenehmigung seitens der Forstverwaltung ONF.
Also erfolgte kurzfristig eine Programmänderung. Als neuer Pumport wurde Stollen 26 auf Höhe 285 gewählt. Wir erhofften uns, hier von Osten her über den unteren Querschlag in die Kampfstollenanlage auf Höhe 285 eindringen zu können, nachdem wir von Westen her beim Senkschacht vor Stollen 6 nicht ohne größeren und komplizierten Aufwand weiterkommen.
Während der Vorbereitungsarbeiten für den geänderten Pumport erhielten wir über unseren 2. Vorsitzenden Markus Klauer eine Anfrage der Filmproduktionsfirma History Media um Unterstützung der Arbeiten an einer ZDF-Dokumentation zum Thema "Unterirdische Welten". Wir sagten zu, uns um die Drehgenehmigung zu kümmern und die Voraussetzungen für die Dreharbeiten in den Tunneln auf dem Toten Mann zu schaffen. Darüber hinaus boten wir an, bei unseren vorgesehenen Pumparbeiten in der Minenkriegsanlage auf Höhe 285 Aufnahmen zu machen, sofern das Filmteam die steilen Schleppschächte, Wasser, Schlamm und Dreck nicht scheute und die Filmausrüstung entsprechend gestresst werden könnte.
Nachdem History Media bestätigte, dass die erforderliche Leistungsfähigkeit des Teams und die Robustheit der Ausrüstung kein Thema wären, fassten wir zusätzlich das Auspumpen von Schleppschacht Ebert ins Auge, da wir nicht wussten, ob uns im Stollen 26 überhaupt Erfolg winkte. Der Querschlag von Ebert bis Cassius, den wir im November 2007 auspumpten, war dagegen ein sicheres Filmobjekt. Außerdem ist der Schleppschacht Ebert leicht zugänglich, sowohl betreffs der Zufahrt, als auch der Einbringung der Pumpe. Mit der zur Verfügung stehenden, gegenüber dem Vorjahr noch leistungsfähigeren Pumpe, konnte von einer Abpumpdauer von etwa einem halben Tag ausgegangen werden.
Ein weiterer, wesentlicher Grund für das Auspumpen des Querschlags über Ebert war die Vermessung von Cito bis Castor, Cassius und Carl sowie die Film-/Photodokumentation der kompletten Anlage, die im November 2007 aus Zeitgründen nicht durchgeführt werden konnten.
Um nicht wieder in Zeitdruck zu geraten und damit sich der organisatorische und materielle Aufwand auch lohnte, setzten wir zwei zusätzliche Arbeitstage an.
Jedoch verhinderten bürokratische Hürden die rechtzeitige Verfügbarkeit der Drehgenehmigung und nachdem die Forstverwaltung auch noch Tantiemen beanspruchte, wurde das Filmprojekt zwecks weiterer Verhandlungen auf nächstes Jahr verschoben.
Im Gefolge dieser bürokratischen Hürden wäre beinahe unser Pumpvorhaben gescheitert. So sollten wir plötzlich ein Wassergutachten beibringen, da wir auf Höhe 285 in der Nähe eines Wassereinzuggebietes pumpen wollten und außerdem sicherstellen, dass sich eventuell in Stollen vorhandene Fledermäuse nicht von uns gestört fühlten.
Diese zusätzlichen Bedingungen konnten wir aber erfüllen und nach einem Arrangement mit der Jagdgesellschaft Haute Chevauchée, deren Jagdtermin 28. Oktober mit unserer Pumpaktion im Ebert kollidierte, stand unserem Vorhaben nichts mehr im Weg.
Die Arbeiten in Ebert und im Querschlag zu Cassius verliefen erwartungsgemäß erfolgreich, wobei Wim Degrande, Markus Paulick und Udo Mertins im tiefen Sickerschacht des Stollenvorhauses von Ebert trotz Wissens über dessen Existenz ihre unfreiwillige "Stollentaufe" erhielten.
Weniger befriedigend war dagegen die Pumpaktion am 29. Oktober in Stollen 26. Das Wasser war zwar schnell abgepumpt, jedoch der Querschlag in Richtung Osten und Westen durch Sprengung zerstört.
Samstag und Sonntag standen noch komplett zur Verfügung. Also wurde die Entscheidung getroffen, erneut in Schleppschacht Walfisch zu pumpen, da dieser außerhalb der Parzelle lag, in der die Waldarbeiten stattfanden. Hier wussten wir von der Pumpaktion im November 2008, dass ein bis zum Rand mit Wasser gefüllter Treppenschacht zwischen Walfisch und Walroß ein weiteres Vorkommen in Richtung Veit und Vater unmöglich macht. Unser Ziel war es also, auch diesen Treppenschacht leer zu pumpen und so möglicherweise bis über Veit hinaus vorstoßen zu können. Mehr erzähle ich aber hier an dieser Stelle nicht, denn die Details darüber sind im Kapitel Forschungen und Arbeitseinsätze zu finden.
Die Realisierung dieser Aktion war, wie schon im letzten Jahr, nur Dank der unbürokratischen und kostenfreien Unterstützung seitens der Herren Stefan Rüll und Tobias Lindner in Form der leihweisen Überlassung eines Stromaggregats inklusive Anschlusskabel, der Spezialpumpe, von Schläuchen und eines Kleinlastkraftwagen möglich. Tiefbauprofi Sebastian Lösche, mittlerweile Mitglied im Verein, war nicht nur wieder mit von der Partie, sondern organisierte erneut mit Helmut Steck das Material und dessen Transport. Ihnen und auch allen anderen an der Organisation und vor Ort Beteiligten möchte ich im Namen des Vereins herzlich für ihre Unterstützung und Bemühungen danken.
Nun zur Projektarbeit "Argonnerwald" des Europagymnasiums "Richard von Weizsäcker" aus Thale, die erneut im Moreau-Lager stattfand. Hinsichtlich des Kompanie-Lagers konnte endlich Licht ins Dunkle gebracht werden. Mehr darüber siehe Kapitel Forschungen und Arbeitseinsätze.
Bei der dauerhaften Kennzeichnung von historisch wertvollen Bereichen haben wir unser erstes Projekt mit dem ONF abgestimmt. Es umfasst die deutsche Minenkriegsanlage Höhe 285 – La Fille Morte, und zwar den äußerst westlichen Teil auf La Fille Morte, den Bereich an der Nahtstelle Höhe 285 – La Fille Morte bei Schleppschacht Erdwurm und auf Höhe 285 die Schleppschächte Stollen 26 und 27. Die ersten Betonsäulen wurden bereits einbetoniert. Die Dokumentation ist noch in der Erstellung. Siehe hierzu auch die Berichte in Kapitel Forschungen und Arbeitseinsätze.
Am 2. November 1985, also vor 25 Jahren, wurde unser Verein gegründet. Aus diesem Anlass fand am 30. Oktober 2010 vorab während der Pumpaktion in Walfisch nach Feierabend gegen 20 Uhr eine kleine Feier auf der Fille Morte unter prächtigem Sternenhimmel statt. Eine unbeschreibliche Kulisse für unser Vereinslied "Argonnerwald um Mitternacht" - und bei der Strophe "ein Sternlein hoch am Himmel stand, bringt ihm 'nen Gruß aus fernem Heimatland" hatte wohl jeder Anwesende seine Gedanken bei unseren Groß- und Urgroßvätern, die vor fast 100 Jahren an dieser Stelle der Front unter dem selben Sternenzelt das gleiche Lied sangen und an ihre Lieben in der Heimat dachten.
Die formelle Feier zum 25-jährigen Bestehen unseres Vereins findet am 1. Oktober 2011 im Argonnerwald im Rahmen unserer 11. Mitgliederversammlung statt. Am Vormittag steht eine Führung auf Vauquois-West auf dem Programm. Die Feier beginnt um 14 Uhr mit einer Kranzniederlegung auf der Haute Chevauchée. Nach einem Empfang um 15 Uhr im Museum des Kaiser-Tunnels ist eine Führung durch den Bataillons-Tunnel vorgesehen. Es bietet sich also die Gelegenheit, die Arbeiten unseres Vereins vor Ort zu besichtigen.
Um 18 Uhr beginnt dann die 11. Mitgliederversammlung im Restaurant "La Terrasse" in Avocourt. Details siehe Programmplanung und beiliegende Einladung zur 11. Mitgliederversammlung.

 

Viel Vergnügen beim Lesen
 
Adolf Buchner, 1. Vorsitzender

 

 










   
 


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Letzte Aktualisierung 04.10.2011