Liebe Mitglieder,
wiederum liegt ein arbeitsreiches Jahr hinter uns. Der extremste
Einsatz war wohl die Pumpaktion im Zeitraum 28. Oktober bis 1.
November. Ursprünglich wollten wir dort weitermachen, wo
wir letztes Jahr wegen des hohen Wasserstandes im unteren Querschlag
die Recherchen einstellen mussten, kurz vor Schleppschacht Veit.
Es war angedacht, nach erneutem Auspumpen des unteren Querschlags
über Schleppschacht Vater von der tiefsten Stelle vor Veit
mit zwei kleinen Pumpen quer rüber zum unteren Stollenvorhaus
von Schleppschacht Vater und von dort aus mit der großen
Pumpe nach oben zu pumpen.
Aber durch dauernde Regenfälle verzögerte Waldarbeiten
in der Parzelle, in der Vater liegt, verhinderten die Erteilung
einer Zutrittsgenehmigung seitens der Forstverwaltung ONF.
Also erfolgte kurzfristig eine Programmänderung. Als neuer
Pumport wurde Stollen 26 auf Höhe 285 gewählt. Wir erhofften
uns, hier von Osten her über den unteren Querschlag in die
Kampfstollenanlage auf Höhe 285 eindringen zu können,
nachdem wir von Westen her beim Senkschacht vor Stollen 6 nicht
ohne größeren und komplizierten Aufwand weiterkommen.
Während der Vorbereitungsarbeiten für den geänderten
Pumport erhielten wir über unseren 2. Vorsitzenden Markus
Klauer eine Anfrage der Filmproduktionsfirma History Media um
Unterstützung der Arbeiten an einer ZDF-Dokumentation zum
Thema "Unterirdische Welten". Wir sagten zu, uns um
die Drehgenehmigung zu kümmern und die Voraussetzungen für
die Dreharbeiten in den Tunneln auf dem Toten Mann zu schaffen.
Darüber hinaus boten wir an, bei unseren vorgesehenen Pumparbeiten
in der Minenkriegsanlage auf Höhe 285 Aufnahmen zu machen,
sofern das Filmteam die steilen Schleppschächte, Wasser,
Schlamm und Dreck nicht scheute und die Filmausrüstung entsprechend
gestresst werden könnte.
Nachdem History Media bestätigte, dass die erforderliche
Leistungsfähigkeit des Teams und die Robustheit der Ausrüstung
kein Thema wären, fassten wir zusätzlich das Auspumpen
von Schleppschacht Ebert ins Auge, da wir nicht wussten, ob uns
im Stollen 26 überhaupt Erfolg winkte. Der Querschlag von
Ebert bis Cassius, den wir im November 2007 auspumpten, war dagegen
ein sicheres Filmobjekt. Außerdem ist der Schleppschacht
Ebert leicht zugänglich, sowohl betreffs der Zufahrt, als
auch der Einbringung der Pumpe. Mit der zur Verfügung stehenden,
gegenüber dem Vorjahr noch leistungsfähigeren Pumpe,
konnte von einer Abpumpdauer von etwa einem halben Tag ausgegangen
werden.
Ein weiterer, wesentlicher Grund für das Auspumpen des Querschlags
über Ebert war die Vermessung von Cito bis Castor, Cassius
und Carl sowie die Film-/Photodokumentation der kompletten Anlage,
die im November 2007 aus Zeitgründen nicht durchgeführt
werden konnten.
Um nicht wieder in Zeitdruck zu geraten und damit sich der organisatorische
und materielle Aufwand auch lohnte, setzten wir zwei zusätzliche
Arbeitstage an.
Jedoch verhinderten bürokratische Hürden die rechtzeitige
Verfügbarkeit der Drehgenehmigung und nachdem die Forstverwaltung
auch noch Tantiemen beanspruchte, wurde das Filmprojekt zwecks
weiterer Verhandlungen auf nächstes Jahr verschoben.
Im Gefolge dieser bürokratischen Hürden wäre beinahe
unser Pumpvorhaben gescheitert. So sollten wir plötzlich
ein Wassergutachten beibringen, da wir auf Höhe 285 in der
Nähe eines Wassereinzuggebietes pumpen wollten und außerdem
sicherstellen, dass sich eventuell in Stollen vorhandene Fledermäuse
nicht von uns gestört fühlten.
Diese zusätzlichen Bedingungen konnten wir aber erfüllen
und nach einem Arrangement mit der Jagdgesellschaft Haute Chevauchée,
deren Jagdtermin 28. Oktober mit unserer Pumpaktion im Ebert kollidierte,
stand unserem Vorhaben nichts mehr im Weg.
Die Arbeiten in Ebert und im Querschlag zu Cassius verliefen erwartungsgemäß
erfolgreich, wobei Wim Degrande, Markus Paulick und Udo Mertins
im tiefen Sickerschacht des Stollenvorhauses von Ebert trotz Wissens
über dessen Existenz ihre unfreiwillige "Stollentaufe"
erhielten.
Weniger befriedigend war dagegen die Pumpaktion am 29. Oktober
in Stollen 26. Das Wasser war zwar schnell abgepumpt, jedoch der
Querschlag in Richtung Osten und Westen durch Sprengung zerstört.
Samstag und Sonntag standen noch komplett zur Verfügung.
Also wurde die Entscheidung getroffen, erneut in Schleppschacht
Walfisch zu pumpen, da dieser außerhalb der Parzelle lag,
in der die Waldarbeiten stattfanden. Hier wussten wir von der
Pumpaktion im November 2008, dass ein bis zum Rand mit Wasser
gefüllter Treppenschacht zwischen Walfisch und Walroß
ein weiteres Vorkommen in Richtung Veit und Vater unmöglich
macht. Unser Ziel war es also, auch diesen Treppenschacht leer
zu pumpen und so möglicherweise bis über Veit hinaus
vorstoßen zu können. Mehr erzähle ich aber hier
an dieser Stelle nicht, denn die Details darüber sind im
Kapitel Forschungen und Arbeitseinsätze zu finden.
Die Realisierung dieser Aktion war, wie schon im letzten Jahr,
nur Dank der unbürokratischen und kostenfreien Unterstützung
seitens der Herren Stefan Rüll und Tobias Lindner in Form
der leihweisen Überlassung eines Stromaggregats inklusive
Anschlusskabel, der Spezialpumpe, von Schläuchen und eines
Kleinlastkraftwagen möglich. Tiefbauprofi Sebastian Lösche,
mittlerweile Mitglied im Verein, war nicht nur wieder mit von
der Partie, sondern organisierte erneut mit Helmut Steck das Material
und dessen Transport. Ihnen und auch allen anderen an der Organisation
und vor Ort Beteiligten möchte ich im Namen des Vereins herzlich
für ihre Unterstützung und Bemühungen danken.
Nun zur Projektarbeit "Argonnerwald" des Europagymnasiums
"Richard von Weizsäcker" aus Thale, die erneut
im Moreau-Lager stattfand. Hinsichtlich des Kompanie-Lagers konnte
endlich Licht ins Dunkle gebracht werden. Mehr darüber siehe
Kapitel Forschungen und Arbeitseinsätze.
Bei der dauerhaften Kennzeichnung von historisch wertvollen Bereichen
haben wir unser erstes Projekt mit dem ONF abgestimmt. Es umfasst
die deutsche Minenkriegsanlage Höhe 285 – La Fille
Morte, und zwar den äußerst westlichen Teil auf La
Fille Morte, den Bereich an der Nahtstelle Höhe 285 –
La Fille Morte bei Schleppschacht Erdwurm und auf Höhe 285
die Schleppschächte Stollen 26 und 27. Die ersten Betonsäulen
wurden bereits einbetoniert. Die Dokumentation ist noch in der
Erstellung. Siehe hierzu auch die Berichte in Kapitel Forschungen
und Arbeitseinsätze.
Am 2. November 1985, also vor 25 Jahren, wurde unser Verein gegründet.
Aus diesem Anlass fand am 30. Oktober 2010 vorab während
der Pumpaktion in Walfisch nach Feierabend gegen 20 Uhr eine kleine
Feier auf der Fille Morte unter prächtigem Sternenhimmel
statt. Eine unbeschreibliche Kulisse für unser Vereinslied
"Argonnerwald um Mitternacht" - und bei der Strophe
"ein Sternlein hoch am Himmel stand, bringt ihm 'nen Gruß
aus fernem Heimatland" hatte wohl jeder Anwesende seine Gedanken
bei unseren Groß- und Urgroßvätern, die vor fast
100 Jahren an dieser Stelle der Front unter dem selben Sternenzelt
das gleiche Lied sangen und an ihre Lieben in der Heimat dachten.
Die formelle Feier zum 25-jährigen Bestehen unseres Vereins
findet am 1. Oktober 2011 im Argonnerwald im Rahmen unserer 11.
Mitgliederversammlung statt. Am Vormittag steht eine Führung
auf Vauquois-West auf dem Programm. Die Feier beginnt um 14 Uhr
mit einer Kranzniederlegung auf der Haute Chevauchée. Nach
einem Empfang um 15 Uhr im Museum des Kaiser-Tunnels ist eine
Führung durch den Bataillons-Tunnel vorgesehen. Es bietet
sich also die Gelegenheit, die Arbeiten unseres Vereins vor Ort
zu besichtigen.
Um 18 Uhr beginnt dann die 11. Mitgliederversammlung im Restaurant
"La Terrasse" in Avocourt. Details siehe Programmplanung
und beiliegende Einladung zur 11. Mitgliederversammlung.
Viel Vergnügen beim Lesen
Adolf Buchner, 1. Vorsitzender